Die Macht der Bilder
in einem anderen Licht

EINE HOMMAGE AN PETER LINDBERGH


In den Fotografien von Marlies Kirchler wird der Moment eingefangen, in dem sich das Gegenüber frei und offen zeigt. 
Die Bilder entstehen mit einfachsten Mitteln, nur auf das Wesentliche beschränkt … ohne berühmte Namen, ohne Stylist, ohne großes Foto-Equipment, nur mit dem iPhone, ohne Photoshop und Filter, mit natürlichem Licht … Spannung und Leben statt Posen und Perfektion. Das ist alles, was die Fotografin braucht, um auf die Persönlichkeit und Seele zu fokussieren.
Die Fotomodelle sind starke Frauen aus ihrem Umfeld. Sie haben Charakter, Eigenständigkeit, Ausstrahlung, Emotionen … ein Gesicht.

Heute sind die Bilder der Models, Schauspieler und Influencer großteils durch den Übereinsatz von Photoshop und Filtern stark verändert. Das schafft ein Zerrbild der Realität und wirkt sich auf die Gesellschaft aus. Warum tun wir uns das an? Warum lassen wir uns diese Zwänge auferlegen? Vor allem Frauen sollten überlegen, wer hier entscheidet.
Bei einem Gespräch der Fotografin mit einer Freundin, bedauerte diese, dass Mädchen so oft auf Schönheit reduziert werden. Schönheit muss aber nichts Schlechtes oder Oberflächliches sein. Wir können die sehr eng gesteckten Grenzen auflösen und selbst bestimmen, was wir schön finden. Aussagen wie „dafür bin ich doch zu alt oder (sogar) zu hässlich“ beweisen, dass es allerhöchste Zeit ist, die Vorstellungen in den Köpfen zu ändern. Dabei hilft es wenig, sich gegen die retuschierten Bilder zu empören. Es braucht Alternativen.

Die Fotografien zitieren Arbeiten von Peter Lindbergh. Er steht wie kein anderer dafür, die Persönlichkeit und Seele eines Menschen mit der Kamera festzuhalten. Er hat die Darstellungen von Frauen/Models verändert. Seine natürliche und minimalistische Bildgestaltung hatte Ende der 80er und in den 90er Jahren weitreichenden Einfluss. Seine Gestaltung des Pirelli Kalenders 2017 beweist, dass Schönheit alterslos ist. Man erkennt seinen Respekt für Frauen. Die Anlehnung an seine Bilder ist wichtig, um die gewünschte Positionierung herzustellen und somit dem Thema den nötigen Nachdruck zu verleihen. Dadurch dass Peter Lindbergh Superstars ungeschminkt mit dem Fokus auf den Menschen fotografiert, können sich in dieser Photo-Serie „normale“ Frauen mit diesen auf einer Ebene treffen.

Die letzten drei Jahre im Leben von Marlies Kirchler waren von vielen Veränderungen geprägt. Ihr Identitätsbewusstsein ist dabei ins Wanken geraten. Dabei ist ihr aufgefallen, wie sehr sie Bilder von sich gebraucht hat, um sich besser sehen zu können. Viele Menschen kommen in mehr oder weniger einschneidende Umbruchsphasen. Bilder können helfen, sich selbst deutlicher oder anders zu entdecken. Sich in einem anderen Licht sehen zu können, haben die ersten Zusammenarbeiten mit den Frauen bestätigt. Es ist dabei eine wunderbare Energie entstanden. Darum ist es wirklich wichtig, dass es in den Bildern nicht nur um die äußere Hülle geht, sondern vor allem um das Leben darin.